Geschichte

Über die Entstehung des Ortes läßt sich geschichtlich nichts Genaues sagen. Um 500 v. Chr. Stand hier vermutlich schone eine keltische Siedlung. Diese Annahme hat ihre Berechtigung durch einen sehr wertvollen Fund aus dem Jahre 1918. Auf der Anhöhe unterhalb der Sinspelter Mühle, fand damals „Mielisch Haani“ (Johann Reuter) einen kostbaren Bronze-Halsreif (jetzt im Landesmuseum Trier), einen blauen und einen gelben Glasring sowie zwei Bronze-Armbänder. Dieser Fund stammt aus einem Grab der Kelten, die in den Jahrhunderten v. Chr. unser Gebiet besiedelten und ihren Stammesmittelpunkt auf dem Ferschweiler Plateau hatten.

Halsreif

Schon in der Römerzeit war Sinspelt ein Straßenknotenpunkt. Die Hauptstraße der Römer in der Eifel liefen über die Höhenrücken zwischen den Flüssen, also in Süd-Nord-Richtung. Im Gebiet des heutigen Kreises Bitburg-Prüm waren es besonders die Straße Trier-Köln über Bitburg und die Straße Echternach-Arzfeld Über Freilingen und Obergeckler. Die Verbindungsstraße von Westen nach Osten führte damals schon wie heute durch Sinspelt. Die Landschaft ließ hier, im Gegensatz zu den verkehrsfeindlichen Steilhängen des Isleks, die Anlage von Straßen in West-Ost-Richtung zu. Zu jener Zeit stand hier ein römisches Landhaus, eine römische Villa. Sie wurde „Simonis villa“ genannt, und von ihr hat der Ort dann seinen Namen erhalten. Die Siedlung lag im Südosten des heutigen Dorfes auf der linken Seite der Enz, dort wo die Felder „im Bruch“ in den Hang der Lascheider Höhe Übergehen. Matthias Fandel fand in der Nähe dieser Stelle um das Jahr 1900 beim Pflügen ein römisches Gräberfeld mit Tonvasen, buntfarbigem Glas und goldenen Ohrringen. Dieses Gräberfeld mit seinen kostbaren Beigaben ist der Beweis für die einstige Existenz der „Simonis Villa“.

Die erste urkundliche Erwähnung findet unser Dorf im Jahre 1435. Es wird da in der Reihe der Filialen der Großpfarrei Mettendorf als „Sinsfeld“ aufgezählt (1478: Sintzpel, 1539: Synnspelt).

KriegSeit 1947 gehört es zum Bundesland Rheinland-Pfalz. Die wohl schrecklichsten Tage seiner Geschichte erlebte Sinspelt im zweiten Weltkrieg. Vom 17. September 1944 bis zur Eroberung durch die Amerikaner am 23. und 24. Februar lag der Ort fast ständig unter Artilleriebeschuß und Jagdbomberangriffen. Seine günstige Lage im Schnittpunkt kriegswichtiger Straßen wurde dem kleinen Dorf zum Verhängnis. Es kam Mitte Dezember 1944 die Rundstedtoffensive, ein letztes, aussichtsloses Aufbäumen Hitlers gegen seine nicht mehr abzuwendende Niederlagen. Im Gegenschlag brachten die Amerikaner durch ihre schweren Bombenangriffe furchtbares Leid über unsere Heimat. Auch Sinspelt erlebte seinen schwarzen Tag. Am Vormittag des ersten Weihnachtstages 1944 brausten mehrere viermotorige Bomber von Westen her in Richtung Sinspelt. Die Bevölkerung ahnte nicht das geringste ihres bevorstehenden Schicksals, denn bisher hatten die schweren Bomber stets nur große Ziele angegriffen und die kleineren Orte verschont. Aber diesmal fielen weiße Rauchsäulen, die Zeichen zum Bombenabwurf, und unmittelbar darauf erschütterte für einige Sekunden ein entsetzliches Krachen und Beben das Enztal. Etwa 70 bis 80 bomben hatten besonders den süd-westlichen Ortsteil, die „Groscht“, getroffen. Eine riesige, grau-schwarze Rauch- und Staubwolke stieg dort empor und verfinsterte die Sonne. Ein grauenvoller Anblick bot sich hier dar: vollkommen zerstörte Häuser, Trümmer, Verschüttete, Verwundete und Tote. Unvergessliche Schreckensweihnachten waren das! Allein im Hause Berg gabe es sechs Tote, die Mutter mit fünf Kindern. Anhaltende Jagdbomberangriffe erschwerten die Rettungsbemühungen ungemein. Der größte Teil der verängstigten Bevölkerung flüchtete in den „Bunker“, das ist ein in Schieferfelsen gehauener, rund 50m langer und etwa 1,80 m hoher und breiter bombensicherer Durchbruch oberhalb der Sinspelter Mühle, durch den das gestaute Enzwasser in den Mühlenteich geleitet wurde. Hier erwarteten die Sinspelter wie in einem feuchten, dumpfen und lichtlosen Verlies voller Bangen und hoffen das Näherrücken der Front und das Ende der Kampfhandlungen.

Am 23. und 24. Februar 1945 gelang es dann den Amerikanern nach schweren Kämpfen den Widerstand der deutschen Truppen zu brechen und den Ort zu erobern.

KriegGerade in diesen letzten Kampftagen hatte Sinspelt noch weitere schwere Zerstörungen zu erleiden. Besonders schlimm in Mitleidenschaft gezogen waren die Häuser in der Umgebung der unteren Straßenkreuzung. Die obere Enzbrücke wurde kurz vor dem Abzug der deutschen Soldaten gesprengt, und das Schulgebäude brannte völlig aus. Nach dem Ende der Kämpfe mussten alle Dorfbewohner noch weitere drei Wochen in dem feuchtkalten „Bunker“ ausharren.

Von den Kriegschäden ist heute nichts mehr zu sehen. Fast alle zerstörten Häuser sind wieder aufgebaut und viele neue Häuser sind dazugekommen. Ein neues Schulgebäude wurde errichtet. Seit 1957 hat Sinspelt einen eigenen Friedhof, und es braucht seine Toten nicht mehr in Mettendorf zu beerdigen.

KAPELLE

Am 31. Mai 1959 aber feierte das Dorf einen der schönsten Tage in seiner Geschichte: Die unter großen Opfern und Mühen in beispielhafter dörflicher Gemeinschaftsarbeit errichtete Kapelle wurde eingewiehen und ihrer Bestimmung übergeben. Der 31. Mai wird von nun an die eigene Sinspelter Kirmes bestimmen, denn „maria, Königin des Friedens“ ist die Schutzpatronin der Kapelle und des Ortes. Mögen auf ihre Fürsprach die Glocken, die damit zum erstenmal ind der langen Dorfgeschichte erklingen, dem Ort und seinen Bewohnern stets Frieden verkünden.